so etwas wie
eine
selbstdarstellung
„Wenn
Sie ihm einen Körper ohne Organe hergestellt haben, dann werden sie ihn von all
seinen Automatismen befreit und ihm seine wirkliche und unvergängliche Freiheit
zurückerstattet haben.“
Antonin Artaud „Schluß mit dem Gottesgericht“
„Das
digitale Photo kann endlos manipuliert werden. Jedes einzelne Pixel kann
beliebig verändert werden, ohne daß am Endprodukt Montageränder oder Übergänge
zu sehen sind. In der Modephotographie werden schon länger Unebenheiten, Pickel
unerwünschte Flecken digital von Gesichtern oder anderen Körperteilen entfernt,
und jedes Model wird so clean gemacht, wie es der herrschende Trend
vorschreibt.....Wenn einem sein Körper nicht gefällt, manipuliert man sein
Photo solange, bis man mit seinem Selbstbild eins wird. Die Modephotos, die
Inez von Lamsweerde veröffentlicht, zeigen Mannequins, deren Äußerliches so
vollkommen ist, daß dem Betrachter davon körperlich übel wird....Wie diese
Frauen nackt aussehen, hat Inez von Lamsweerde in ihrer vierteiligen Serie
„Thank You Thighmaster“ enthüllt. Auf diesen digital manipulierten Photos sieht
man Frauen, die keine Brustwarzen haben und unten geschlossen sind.“ (Agentur BILWET,
Der Datendandy, Bollmann, Mannheim , ohne Jg)
wer wir sind
Das buero für angewandten realismus wurde im Sommer 1984 ins Leben gerufen und
arbeitet seither in wechselnden Besetzungen im Graubereich zwischen Kultur,
Gesellschaft und Politik.
Das buero für angewandten realismus macht schöne Sachen wie Lärm, wissenschaftliche Vorträge,
Demonstrationen und Performances (auch für Gartenfeste zu engagieren). Man gilt
als beständig pseudopolitisch und massenhaft durcheinander. (Programmheft des
Ludwigshafener Kultursommer 1989)
Das buero für angewandten realismus besteht derzeit aus ca. 15 aktiven MitarbeiterInnen und einem ebenso großen näheren Umfeld.
Das buero für angewandten realismus stellt alle Aktivitäten seit seiner Gründung in den Dienst der guten Sache, um unsere Gesellschaft vor nahenden Katastrophen zu bewahren.
Die
Arbeitsweise des buero für angewandten realismus besteht im Verdeutlichen bestehender Mißstände und im
Aufwerfen unbequemer Fragen. Hierzu erscheinen uns Methoden aus dem
Kulturbereich als geeignet, aber nicht als die einzig möglichen.
Das buero für angewandten realismus sieht die Zusammenarbeit mit und das Engagement in anderen Initiativen
als notwendig und nützlich an.
wie wir wurden
Zu den bisherigen Aktionen des
buero für angewandten realismus gehören:
(eine kleine Auswahl)
1984 die absurde Banane
ein
Dada-Abend in einer Gaststätte, der gemeinhin als Gründungsdatum gehandelt
wird.
1985 die perversen Weihnachtsmänner
eine Revue
in einem Jugendzentrum, die eine viermonatige Leserbriefschlacht auslöste.
1986 Lebende Legenden
eine
Ausstellung mit Beiprogramm, nach dem Verbot in Ludwigshafen im Mannheimer
Exil.
1987 Der Papst in Ulan Bator
ein
kulturprojekt in worms, wurde von der realität überholt
1988 Der Gummibär
perfomance
und ausstellung zur aids-problematik, in zusammenarbeit mit dieter m. gräf.
1989 Hektoliteratur
trash-lyrik im hinterzimmer. fünf jahre vor social beat und slam
poetry
1990 Interaktion Gänsefleisch
eisenach/worms. die aktion zum mauerfall
1991 13 Tage in Ketten
15 veranstaltungen an 13 tagen. sehr bunt. sehr gut.
1992 Smells like Art Coffee
eine woche thematik zu rostock & hoyerswerda. hackmuseum,
ludwigshafen
1993 Accessories to the crime
transit ludwigshafen - bremen. mode. performance. video. musik.
1994 Pfälzer Liste / Liste Pfalz
ein irrealer wahlkampf zu einer realen kandidatur. 0,9%
1995 Hygiene
ein
offenes ausstellungsprojekt in den reparaturgräben einer lkw-werkstatt.
1996 APO
dokumentarische
ausstellung zu 1968 in westberlin. viele originale. schönes beiprogramm.
1997 Essen
zehn
tage ausstellung und programm in der kantine des straßenbahndepots.
1998 Brecht bricht vs. Brecht hat recht
theater
der grausamkeit vs. theater der vernunft. aus dem schützengraben den untergang
betrachten.
1999 Mao 2000
dokumentation
der maodadaistischen epoche 1996 - 1999
2000 Maschine (s/w)
perfomancefestival
und zeltlager im kulturdepot ludwigshafen
„Das Einschalten eines Mediums
schaltet beide (Medium und Körper) zusammen. Von daher ist heute eine
Definition der Person (des sog. -Subjekts-) von einer philosophischen oder
psychologischen Grundlage aus nicht möglich, weil man den Körper unabhängig von
Medientechnologien nicht denken kann (es sei denn man kastriert ihn um diese
Dimension).“
Klaus Theweleit spricht mit Marshall
McLuhan in „Ghosts“
Ich bin nicht dabei gewesen, aber ich
habe den Film gesehen
Daniela verbringt viele Stunden am Tag vor dem Bildschirm. Zum Ausgleich hat
sie sich ein Fitness-Gerät, einen sogenannten Hometrainer gekauft. Da die
Wohnung recht klein ist, wurde das Gerät im Flur, zwischen Wohn/Schlafraum und
Arbeitsraum plaziert. Wird das Gerät benutzt, nimmt es die gesamte Breite des
Flurs ein.
Für Daniela ist die Arbeit am Körper zu
einer Notwendigkeit geworden um die Arbeit am Bildschirm bewältigen zu können.
Sie hat sich den Hometrainer lange gewünscht, jetzt sagt sie: „Ich habe damit
viel Spaß.“
Die Frage ist, ob unsere Physiologie nur
der Maschine hinterherhinkt, ob wir nur mehr Training brauchen, um uns ihr
anzupassen. Wir kennen das Beispiel: die Hysterie bei den ersten wirklichen
rasenden Fahrten der Dampflokomotive von A. nach B. Aber muß der Körper auch
einer Maschine angepaßt werden, die Bilder produziert?
Immer wieder sehen wir uns diese Videos
an. Bin ich dabei gewesen? Die Bilder auf den Prospekten sind noch besser als
unsere eigenen Bilder. Ich bin nicht dabei gewesen, aber ich habe den Film
gesehen.
Buero für angewandten Realismus
Kaiser-Wilhelm-Straße 62
67059 Ludwigshafen
Tel. 0621 625410
Fax 0621 625411
Werkstätten des BfaR
Karl-Krämer-Straße
67061 Ludwigshafen
Stand
der Erörterungen 17.07.01, Ludwigshafen am Rhein